Einrichtung & Ausstattung Rennkutter Nobile
Rennkutter Nobile auf der Ostsee

Vom Fischlogger „Kathleen“ zum „Rennkutter Nobile“

So ähnlich hat Kathleen damals ausgesehen (Originalfoto von John Stevenson, zur Verfügung gestellt von Barry Johnson

Ursprünglich als Zweimaster für die Schlepp- und Treibnetzfischerei gebaut, lief das Schiff im Juni 1919 in der Werft „J. W. Brooke & Co“ in Lowestoft (England) vom Stapel und wurde auf den Namen „Kathleen“ getauft. Als Hilfsantrieb war damals eine Dampfmaschine eingebaut, die auch die Netzwinde antrieb. So wurde mit „Kathleen“ in den Gewässern rund um Großbritannien gefischt. Dabei hatte es mehrere Havarien zu überstehen: Am 25. Mai 1935 brach vor der irischen Küste der Großmast, am 12. April 1938 kollidierte „Kathleen“ mit dem Fischereifahrzeug „Ascona“ und am 15. Juni 1940 wurde sie von zwei deutschen Flugzeugen bombardiert und beschossen. – Aber trotz zum Teil erheblicher Beschädigungen konnte das Schiff immer einen sicheren Hafen erreichen.

Nobile/Jødnafjell vor dem Umbau 1993

1946 wurde „Kathleen“ nach Great Yarmouth verkauft und bereits 1947 weiter nach Kristiansund in Norwegen. Dort bekam das Schiff den Namen „Jødnafjell" und wurde weiterhin für die Küstenfischerei eingesetzt. Während dieser Zeit wurde die Dampfmaschine durch einen Dieselmotor ersetzt. 1985 ging das Schiff nach Trondheim, wo die neuen Eigner die Masten entfernen ließen und es fortan als Dynamitfrachter nutzten.

Nobile während des Umbaus in der Peene-Werft Wolgast

Nachdem es in der Folgezeit einstweilen stillgelegt worden war und in einem norwegischen Hafenbecken vor sich hin rostete, entdeckte 1993 Detlev Löll den alten Rumpf und brachte ihn nach Wolgast. Dort erhielt das Schiff 1994/1995 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Peene-Werft in Wolgast sein heutiges Erscheinungsbild und wurde am 27.05.1995 auf den Namen „Nobile“ getauft.

„Rennkutter Nobile“ heute

Nobile Seitenansicht

Nobile ist ein Einmast-Gaffel-Segler in Tradition der Americas-Cupper des späten 19. Jahrhunderts. Konstrukteur und Schiffsbauer Detlev Löll plante Nobile nach dem Vorbild der „Puritan“, die 1885 den Americas Cup gewann.

Dadurch bietet Nobile Segeln in einer Dimension, wie sie auf alten Rennyachten vor über 100 Jahren üblich war: Der mächtige Baum des Großsegels könnte sich in Sachen Länge (22 m) und Durchmesser durchaus mit den Masten manch anderer Traditionssegler messen und auch der Klüverbaum ist mit guten 11 Metern Länge ein markantes Merkmal des Schiffes. Am 34 m hohen Mast werden bis zu 510 m² Segelfläche von Hand gesetzt und bedient.

Das Schiff verfügt über ein Großsegel, drei Vorsegel und ein Topsegel, sodass die Segelfläche immer optimal an Windverhältnisse, Wetter und Crew angepasst werden kann.

Als Hauptmaschine tut ein Caterpillar Turbodiesel mit 6 Zylindern und 300 PS seinen Dienst. Er kommt beim Ab- und Anlegen, bei Flaute und auch bei Kanaldurchfahrten zum Einsatz.

Während Mehrtagestörns bietet das Schiff 14 Trainees und bis zu 8 Stammcrew-Mitgliedern Platz. An Tagestörns können neben der Stammcrew bis zu 36 Gäste teilnehmen.

Nobile Decksplan

Betrieben wird Nobile als Segelschulschiff von den Mitgliedern des gemeinnützigen „Fördervereins alter Traditionssegler e.V.“. Der Winterliegeplatz befindet sich in Hamburg-Finkenwerder. Eigner ist die Stadt Wolgast, deren Hafen auch Nobiles Heimathafen ist.

Aufteilung & Einrichtung

Unter Deck ist Nobile folgendermaßen aufgeteilt:

Ganz vorne im Rumpf befindet sich die „Vorpiek“. Sie ist sowohl Segellast als auch Werkstatt und über einen eigenen Leiterniedergang auf dem Vordeck zu erreichen.

Über den mittschiffs gelegenen Messeniedergang gelangt ihr in unsere Messe und Kombüse. Die Messe ist unser Hauptaufenthaltsbereich unter Deck und bietet an zwei großen Tischen der gesamten Schiffsbesatzung Platz zum Essen, bei Besprechungen oder auch beim Spinnen von Seemannsgarn und Spielen am Abend. An kalten Abenden sorgt unser Ölofen für Behaglichkeit und Wärme.

Die Kombüse ist räumlich nur durch Unterschränke und den Mast von der Messe abgegrenzt. Die kochende und abwaschende Wache muss also nicht im stillen Kämmerlein schwitzen, während die anderen schon den Feierabend genießen. Sie ist immer mit dabei.

In Richtung Bug schließen an die Kombüse noch Putzlast, Gemüselast und die beiden Nasszellen mit Toiletten, Duschen und Waschbecken an.

Biegt ihr nach dem Herabsteigen des Messeniedergangs gleich scharf nach links oder rechts ab, gelangt ihr in die Backbord- bzw. Steuerbordkammer. Die Kammern sind mit jeweils acht Kojen ausgestattet und zwischen beiden Kammern befindet sich Nobiles großer Schwertkasten.

Um in den achteren (hinteren) Teil des Rumpfes zu gelangen, nehmt ihr den „Navi-Niedergang“. Unten angekommen findet ihr steuerbords eine weitere Nasszelle und außerdem einmal um den Niedergang herum die „Navi“. Hier planen Kapitän(in) und Toppsgast(in) mithilfe von Seekarte und GPS unseren Kurs. Auf der Backbordseite befinden sich die beiden „Lotsenkojen“.

In Richtung Bug geht's durch ein Schott in den Maschinenraum. Dort befinden sich neben Nobiles Hauptmaschine auch ein Stromgenerator, verschiedene Pumpen sowie die je zwei Diesel- und Trinkwassertanks.

Achtern hinter der „Navi“ befinden sich auf der Steuerbordseite die Kapitänskammer und auf der Backbordseite die Maschinistenkammer mit jeweils zwei Kojen.

Schiffsdaten

Schiffstyp Gaffelkutter mit Stahlrumpf
Baujahr & -ort 1919 in Lowestoft (England)
Jahr & Ort des Umbaus 1994 - 1995 in Wolgast (Deutschland)
Segelzeichen TSG 514
Eigner
Stadt Wolgast
Betreiber Förderverein alter Traditionssegler e.V.
Heimathafen
Wolgast
Winterliegeplatz Hamburg
Länge ü. A. 38,50 m
Rumpfbreite 5,60 m
6,60 m inkl. Outrigger
Verdrängung 100 t
Masthöhe 36 m über Kiel
34 m über Deck
Baum 22 m lang, 1,5 t schwer
Segelfläche
510 m²
Kojenanzahl
22
Stammcrew
6 bis 8 Personen
Mitsegler
bis zu 14 Personen
Hauptmaschine Caterpillar Turbodiesel,
6 Zylinder, 220 KW / 300 PS
Hilfsdiesel KHW Diesel,
10 KW, 380 V
Heizung Diesel-Zentralheizung,
Warmwasserkessel
Herd Gasherd mit Kochstelle und Backröhre
Tanks 2 x 3 t Trinkwasser,
2 x 1,5 t Diesel
Sicherheitsausrüstung Funkausrüstung nach GMDSS (SART, EPIRB, UKW-Funk mit DSC...), Radar, Echolot, GPS, Kompass, Sextant, Nautische Literatur, Brandmeldeanlage, Wassernebel-Löschanlage für Maschinenraum und Wohnbereich, div. Brandbekämpfungsmaterial (u.a. Handfeuerlöscher, Löschdecken),
fest eingebaute Lenz- & Feuerlöschpumpe, mobile Lenz- & Feuerlöschpumpe, Rettungswesten, Rettungsinsel, schnelles Bereitschaftsboot mit Außenborder