Rennkutter Nobile auf der Ostsee

Der Nobile Ausbildungstörn 2012

Törnbericht vom 29.07. bis 07.08.2012 von Wismar nach Rostock

~ von fleißigen ABlern, sich findenden Gaffel Freunden und ...Schweinswalen ~

boulevART - Page Blanche
boulevART - Page Blanche

Wismar... Verträumt lag die kleine Hansestadt an der Südspitze der Wismarer Bucht. Verträumt, aber nicht schlafend. Der größte Teil der Nobiletiere waren bereits vor Ort und genossen das abendliche Farb- und Musikspektakel des 9. Internationalen Straßentheaterfest "boulevART".

Gemeinsam bei Bier und Flammkuchen wurde das faszinierende haushohe Open-Air-Schattentheater "Page Blanche" mit Livemusik der französischen Compagnie Luc Amoros verfolgt.

Reiseverlauf

Nach einigen Reparaturarbeiten am Sonntagvormittag trafen auch die übrigen Segelbegeisterten ein und der AB-Törn konnte endlich starten.

Die Route? – Ungewiss.
Das Ziel? – Wende, Wende, Wende ... und noch eine Wende!
Und selbstverständlich so viele Informationen zu sammeln und weiterzugeben über die "Alte Dame" wie nur irgendwie möglich.

Der erste Tag verlief wie im Fluge. Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung legten wir bereits unter funkelnden und empörten Blicken einiger Angler in Wohlenberg an und stießen gemeinsam auf einen tollen Törn an! Einem raschen Frühstück am Montagmorgen folgte das erste "all hands" zum Großsegel setzten. Der Wind trug uns bei sonnigem Wetter zu einem gemütlichen Ankerplatz vor Fehmarn.

Nach einer Mütze voll Schlaf konnten am Dienstagmorgen die ersten köstlichen Hefezöpfe unserer Backschaftsmeisterin gekostet und Kraft für den anstehenden segelreichen Tag gesammelt werden. Dank unserer fleißigen Katharina, wie unser Dieselherd liebevoll genannt wurde, wurde uns sogar der Nachmittag mit diversen Schoko-Gummibärchen-Kuchen versüßt.

Nach einer weiteren lehrreichen Ankernacht vor dem Darß hieß der nächste Kurs: Stubbekøbing Havn auf der dänischen Insel Falster –"Jeg skal have toogfyrre rundstykke" oder "Einmal zwei Brötchen für alle bitte!" und das auf Dänisch! Trotz leichter kommunikativer Schwierigkeiten und sichtlich irritierten Angestellten, die uns einfach keine Anzündblättchen für Katharina verkaufen wollten oder Angst hatten, wir würden ihren Supermarkt in die Luft jagen, schafften es alle wieder aufs Schiff und es konnte weitergehen.

Theorie
Klintholm
Klintholm
Sven

Die Zeit zwischen den Manövern wurde sinnvoll genutzt und die unermüdliche und motivierte Stammcrew versuchte ihr Wissen über Ausguck und An- und Ablegemanöver weiterzugeben. Bis es wieder hieß "Anker klar machen?" - diesmal vor der dänischen Insel Møn.

Viele stürmten die Duschen, einige betrachteten die Dagmar Aaen, andere wanderten zum vom Vollmond beschienenen Strand und steckten die Füße in die lauwarme Ostsee, während fleißig kleine Steine gesammelt wurden. Der angesetzte Hafentag am Samstag in Klintholm war voller lehrreicher Erlebnisse und Ereignisse. Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden bei Wind und Wetter mit dem Dinghi POB-Manöver geübt, jeder musste oder vielmehr durfte an die Pinne, jeder musste beim Lernen der Navigationszeichen darauf achten, dass man von seinem lieben Navigator nicht über eine rumdümpelnde Möwe oder gegen die Hafenbeckenwand gelotst wurden und jeder wurde in die Geheimnisse des Funks eingeweiht.

Währenddessen lernten die anderen Trainees, Deckshandanwärter, Deckshände, Maschinistenanwärter und Ausbilder wichtige Informationen zum Thema Brandbekämpfung an Bord und übten das Bedienen der Löschpumpen. Überraschenderweise wurde das rumdüsende Dinghi nie geflutet!

Zwei Schwimmeinlagen in und mit "Sven", unserem Überlebensanzug, sorgten ebenfalls für ein Schmunzeln an Bord. Die POB wurden vorsichtig mit dem Dinghi geborgen und behutsam über das Heck wieder an Deck gebracht. Beide POB sind wohlbehalten und ohne weitere Schäden zurück an Bord gekommen.

Die örtlichen Läkerol-Vorräte wurden noch schnell aufgekauft und der Strand in Beschlag genommen. Einige wagten sich sogar tiefer ins Landesinnere, entdeckten zwar nicht die bekannten Kreidefelsen, dafür aber Leopardenschnecken.

Am Sonntagmorgen verließ Nobile den Klintholmer Hafen wieder auf der Suche nach einem geeigneten Ankerplätzchen. Auf der Fahrt zurück Richtung deutsche Küste wurde sogar ein lang ersehnter Schweinswal gesichtet! Am Sonntag nach dem Abendbrot - Bilder sagen mehr als Worte - wurde das schöne Wetter vor der Nachtruhe noch einmal ausgenutzt. Einige tollkühne Segler schafften es sogar, wie in alten Zeiten, das Wasserstag entlang über den Klüverbaum das Schiff zu entern. Man munkelt auch über Angriffsmanöver über die Ankerkette.

Segel setzen und auf nach Warnemünde!

Wir trotzten und genossen Wind und Wetter, wir hatten eine Menge Spaß gemeinsam! Wir haben so viel gesehen, erlebt, gehört und gelernt, dass man ganze Bücher damit füllen könnte und wahrscheinlich auch schon hat! Definitiv wurde in diesem Törnbericht bei Weitem nicht allen und allem ausreichend Genüge getan aber zwischendurch leidet das Segeln einfach unter einer gewissen, faszinierenden Sprachlosigkeit!