Rennkutter Nobile auf der Ostsee

Jugendweihetörn auf Nobile

Törnbericht vom 14.08. bis 21.08.2013 von Rostock nach Wismar

Bei Sonne, Wind und Wellenslag

Es ist Mittwoch, der 14. August 2013, früh um vier. Die ersten Jugendweihelinge haben die besten Plätze im Bus okkupiert auf dem Weg nach Rostock. Dieses Schauspiel des Weltumsegelungskoffer-in-den-Bus-Hievens und Schläfrig-den-Sitz-Findens wiederholt sich noch zwei weitere Male, während so langsam die Müdigkeit der Vorfreude weicht. Bis dato sind nur wenige verwertbare Informationen bekannt. Nobile heißt das Schiff also, es segelt, ist ziemlich groß. Start- und Zielhafen stehen auch schon fest, los geht es in Rostock und ankommen sollen wir in Wismar, sieben Tage auf der Ostsee. Die Route? - ungewiss. Der Packliste ließ sich zumindest noch entnehmen, dass es nass werden könnte. Wie jedes Jahr waren aber auch dieses Mal wieder einige Wiederholungstäter dabei, die der Nobilevirus gepackt hatte und nicht wieder losließ und denen gelegentlich noch etwas zu entlocken war.

Nach 7 Stunden Busfahrt dann die Ankunft im Rostocker Stadthafen. Zunächst große Verwirrung - welches der vielen Schiffe hier ist es denn nun? Von den Erfahrenen lässig mit dem Kommentar abgetan: das mit dem höchsten Mast. Dem sei an dieser Stelle nichts hinzugefügt.

Nun hieß es das Schiff kennen zu lernen und die Kojen zu beziehen, nautische Begriffe wie Steuerbord- und Backbordkoje lösten erste Verwirrung aus und auch die Toilettenbedienung auf See will geübt sein. Nachdem alle Klarheiten beseitigt waren, ging es dann endlich an die Segeleinweisung. Stopper setzen, auf dem Poller belegen, mystische Drahtseile hin- und hertragen - learning by doing.

Nach dem zeitigen Ablegen am nächsten Morgen folgte noch eine Sicherheitseinweisung an Warnemünde vorbei und kaum waren wir aus der Warnow raus und auf offener See, setzten wir die Segel. Für heute hieß es Kurs Kühlungsborn, welches wir am Abend erreichten.

Sonnenuntergang

Gestern noch im sicheren Hafen, ankerten wir am nächsten Abend vor Fehmarn. Die Nachtwache ist ein notwendiges Übel, aber früher oder später ereilt jeden die Erkenntnis, dass es mit den richtigen Leuten und der richtigen Beschäftigung verdammt Spaß machen kann. Kaffee und Tee waren gekocht, die Süßigkeiten geplündert und es wurden fleißig Kreuzworträtsel entworfen, Knoten geübt und bei netten Mitseglern war für den einen oder anderen auch ein kleines Nickerchen drin.

Unser Törn führte uns weiter über das dänische Rødbyhavn und nach nochmaligem Ankern vor Fehmarn in das schöne Städtchen Neustadt, das schon beim letzten Jugendweihetörn ausgiebig erkundet und für gut befunden wurde. Nach einem Eis in der Stammeisdiele durfte natürlich ein Besuch im angrenzenden Holzhandel nicht fehlen, um sich mit kostenlosem, zugeschnittenen Lagerfeuerholz für den letzten Abend einzudecken. Diesen verbrachten wir an der "Kartoffelpier", in der Wohlenberger Wiek, wo wir grillten und über dem Feuer Marshmallows und Stockbrot rösteten.

Nach 153 Seemeilen kamen wir am nächsten Morgen schließlich in Wismar an.

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Unterwegs litten wir an chronischem Windmangel. Für viele der Jugendweihelinge stellte dies jedoch kein Problem dar, wollte der Großteil doch sowieso eher auf dem Holzdeck in der Sonne "chillen". Die Knotenkunde erregte besondere Begeisterung und nachdem alle wichtigen Knoten aus dem EfEf beherrscht wurden, kam die Crew langsam in Bedrängnis mit immer neuen aufzuwarten. Ansonsten konnte man die Zeit gut für diverse Wasserschlachten oder zum Dinghi fahren nutzen, beides sehr beliebte Freizeitbeschäftigungen auf dem Wasser. Ein besonderes Highlight im wahrsten Sinne des Wortes war es, ins Rigg zu klettern, natürlich ordnungsgemäß im Klettergurt gesichert. Beim Abhängen in 33 Metern Höhe wurde dann über Gott und die Welt philosophiert. Oder eben auch nur darüber, ob der Schnitzer auf dem Holzbrettchen da bei "Wellenslag" nicht das "ch" vergessen hat.

Sonnenuntergang

Nach äußerst entspannten, aber auch sehr schönen Segeltagen riefen "normale" Windstärken von 4-5 bei einigen schon leichte Sturmgefühle hervor - so macht Segeln Spaß.

Das Sammeln neuer Erfahrungen beschränkte sich aber nicht nur auf die Bereiche über Deck, auch unter Deck war einiges zu lernen. Das kollektive Abwaschen war für manche eine ganz neue Erfahrung, während einige der Jungs hier richtig punkten konnten. Salami und Schokolade stellten sich schnell als das Grundnahrungsmittel vieler 13-15-Jähriger heraus. Ok, vielleicht ein bisschen übertrieben. So nahm die Dekorationswut auf den Mittagsstullen kein Ende, von Remouladeklecksen mit liebevoll zurechtgeschnittenen Gürkchen bis zum berühmt-berüchtigten blauen "Trabi-Senf" war alles dabei. Mit der Zeit entwickelte sich ein kleiner backschaftsinterner Wettkampf, der uns die schönsten Gerichte bescherte. Nachdem die erste Backschaft mit Ankerwachen-Apfelpfannkuchen vorlegte, gab es am nächsten Morgen Rührei und tags darauf Brötchen zum Frühstück. Wenn das mal nichts ist.

Im Zielhafen Wismar hieß es dann nach sieben erlebnisreichen Tagen auf See zum letzten Mal "Leinen über". Es folgten Gruppenfoto, die Austeilung der Seemeilenbestätigung und die Verabschiedung, bevor alle ein wenig wehmütig in den Bus stiegen, zurück aus dem sonnigen Norden ins kalte, regnerische Thüringen.